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UD-Tapes: Der Werkstoff hinter leistungsstarken Thermoplast-Verbundrohren

UD-Tapes sind der Schlüsselwerkstoff für hochleistungsfähige Thermoplast-Verbundrohre. Erfahren Sie, wie sie aufgebaut sind, welche Materialien verfügbar sind und wie Alformet sie verarbeitet.
5. Juni 2026 durch
Alformet GmbH, Lucas Ciccarelli

Einleitung

Wer hochbelastbare Leichtbaustrukturen entwickelt, kommt an einem Werkstoff kaum vorbei: dem unidirektionalen Faserverbundband, kurz UD-Tape. Es ist das Ausgangsmaterial für faserverstärkte Thermoplast-Verbundrohre und -profile – und damit die Grundlage für alles, was Alformet im LATW-Verfahren (Laser-Assisted Tape Winding) produziert.

Der globale Markt für UD-Tapes auf Thermoplastbasis wächst rasant: Aktuelle Marktanalysen beziffern den Marktwert auf rund 275 Millionen USD (2024) und prognostizieren ein durchschnittliches jährliches Wachstum (CAGR) von über 10 % bis 2033 – angetrieben durch steigende Anforderungen in der Luft- und Raumfahrt, im Automobilbau sowie in der Energie- und Industrietechnik. Thermoplastische UD-Tapes machen dabei bereits über 71 % des gesamten UD-Tape-Marktanteils aus.

Dieser Artikel erklärt, was UD-Tapes sind, wie sie hergestellt werden, welche Materialoptionen heute verfügbar sind – und warum die Werkstoffflexibilität ein entscheidender Vorteil für Anwender ist.

Was ist ein UD-Tape – und was macht es besonders?

Ein UD-Tape (unidirektionales Faserverbundband) besteht aus kontinuierlichen Verstärkungsfasern, die vollständig in eine thermoplastische Matrix eingebettet sind. „Unidirektional" bedeutet: Alle Fasern verlaufen parallel in einer Richtung.

Das unterscheidet UD-Tapes grundlegend von Geweben oder Vliesen: Die Faserausrichtung ist präzise kontrolliert, ohne Ondulierung (Faserverwebung), die die Steifigkeit reduziert. Das Ergebnis sind Bauteile mit maximalem Faservolumenanteil und entsprechend hoher spezifischer Steifigkeit und Festigkeit.

Die thermoplastische Matrix – im Gegensatz zu duroplastischen Systemen wie Epoxid – ermöglicht:

  • Schweißbarkeit und Umformung durch Wärmeeinbringung
  • Recyclingfähigkeit am Ende des Produktlebenszyklus
  • Kurze Taktzeiten in der Verarbeitung (kein Aushärten, kein Autoklav erforderlich)
  • Lagerstabilität ohne Kühlkette

Diese Eigenschaften machen UD-Tapes zum bevorzugten Halbzeug für moderne, automatisierte Fertigungsverfahren wie das LATW-Verfahren.

Herstellung: Vom Rovingspulen zum aufgewickelten Band

UD-Tapes werden auf Spezialanlagen hergestellt, die Faserstränge (Rovings) unter Zug spreizen und gleichzeitig mit dem thermoplastischen Matrixmaterial tränken (Imprägnierung). Je nach Verfahren geschieht dies durch:

  • Schmelzimprägnierung (Extrusionsprozess – weit verbreitet, gut skalierbar)
  • Pulverimprägnierung (gefolgt von Aufschmelzen – für hochviskose Matrices wie PEEK geeignet)
  • Filmimprägnierung (Matrixfilm wird zwischen Faserlagen einlaminiert)

Das resultierende Band hat eine definierte Breite (typischerweise 6,35 mm bis 600 mm) und Dicke (üblicherweise 0,125 mm bis 0,25 mm pro Lage). Es wird auf Spulen (Bobbins) gewickelt und kann direkt in automatisierten Wickel- oder Ablegeprozessen eingesetzt werden.

Beim LATW-Verfahren von Alformet wird das UD-Tape während des Wickelns durch einen fokussierten Laserstrahl lokal aufgeschmolzen und unmittelbar auf dem Dorn oder der vorherigen Lage konsolidiert – in-situ, ohne nachgelagerten Aushärteschritt. Das spart Zeit, Energie und Investitionskosten gegenüber autoklavbasierten Prozessen.

Materialmatrix: Fasern und Thermoplaste im Überblick

Verstärkungsfasern

Die Wahl der Faser bestimmt maßgeblich die mechanischen Eigenschaften des Endprodukts:

Fasertyp Eigenschaften Typische Anwendung
Kohlenstofffaser (CF) Höchste Steifigkeit, geringes Gewicht Luft- und Raumfahrt, Antriebswellen, Hochleistungsstrukturen
Glasfaser (GF) Gute Festigkeit, kostengünstig, elektrisch isolierend Industrierohre, Druckbehälter, Automotive
Aramidfaser (Kevlar®) Hohe Schlagzähigkeit, Vibrationsdämpfung Schutzanwendungen, Energieabsorption
Basaltfaser Chemische Beständigkeit, thermische Stabilität Industrielle und Umweltanwendungen
Naturfaser (z. B. Flachs) Nachwachsend, CO₂-reduziert Nachhaltige Leichtbauanwendungen

Thermoplastische Matrices

Die Wahl der Matrix beeinflusst Verarbeitungstemperatur, chemische Beständigkeit, Zähigkeit und Recyclierbarkeit Beispiele sind:

Matrix Verarbeitungstemperatur Eigenschaften
PP (Polypropylen) ~200 °C Kostengünstig, leicht, gute chemische Beständigkeit
PA6 / PA12 ~240–260 °C Gute Zähigkeit, Feuchtigkeitsaufnahme beachten
PC (Polycarbonat) ~280 °C Hohe Schlagfestigkeit, Transparenz
PPS ~320 °C Hervorragende Chemikalienbeständigkeit, flammhemmend
PEKK / PAEK ~360–380 °C Hochtemperaturbeständig, Luft- und Raumfahrtqualität
PEEK ~380 °C Spitzenklasse: Temperatur, Chemikalien, Biokompatibilität

Die Kombinationsmöglichkeiten aus Faser und Matrix sind enorm – und genau diese Flexibilität ist ein zentraler Vorteil des LATW-Verfahrens: Alformet kann nahezu jede marktgängige Faser-Matrix-Kombination verarbeiten, sofern das UD-Tape als Halbzeug verfügbar ist.

Warum Werkstoffflexibilität für Anwender entscheidend ist

Welche UD-Tape-Materialien können im LATW-Verfahren verarbeitet werden?

Das LATW-Verfahren ist grundsätzlich materialagnostisch: Jedes thermoplastische UD-Tape, das laserkompatibel aufschmelzbar ist, kann verarbeitet werden – von PP/GF für kostengünstige Industrieanwendungen bis hin zu CF/PEEK für zertifizierte Luft- und Raumfahrtkomponenten. Die Auswahl richtet sich nach den mechanischen Anforderungen, der Betriebstemperatur, der chemischen Umgebung und den Zulassungsanforderungen des Endprodukts.

Für Konstrukteure und Einkäufer bedeutet diese Flexibilität konkret:

  • Bauteiloptimierung: Durch gezielte Wahl von Faser und Matrix lassen sich Steifigkeit, Festigkeit, Dämpfung, Korrosionsbeständigkeit und Gewicht präzise auf die Anforderung abstimmen.
  • Lokale Verstärkung: UD-Tapes können lagenweise so aufgebaut werden, dass Krafteinleitungspunkte oder hochbelastete Zonen gezielt verstärkt werden – ohne unnötiges Mehrgewicht.
  • Lieferkettensicherheit: Ein breites globales Angebot an UD-Tape-Lieferanten reduziert Abhängigkeiten und ermöglicht Qualifizierung alternativer Quellen.
  • Nachhaltigkeit: Thermoplastische UD-Tapes sind thermisch recycelbar. Verschnitt und Produktionsabfall lassen sich aufschmelzen und wiederverwerten – ein Vorteil gegenüber duroplastischen Systemen.

Ausblick: Neue Materialien und Nachhaltigkeit

Der Markt für UD-Tapes entwickelt sich kontinuierlich weiter. Aktuelle Entwicklungsrichtungen umfassen:

  • Biopolymere und Naturfasern: Kombination aus biobasierter Matrix (z. B. Bio-PA) und Naturfasern für CO₂-reduzierte Leichtbauanwendungen
  • Recyclingfähige Hochleistungsthermoplaste: Weiterentwicklung von PAEK-Systemen mit verbesserter Verarbeitbarkeit bei reduzierten Temperaturen
  • Hybridtapes: Kombination verschiedener Fasertypen innerhalb eines Bandes (z. B. CF/GF-Hybrid) zur Kostenoptimierung bei gleichzeitig hoher Leistung
  • Schmalere Toleranzen: Verbesserte Imprägnierqualität und engere Dickentoleranzen für höhere Reproduzierbarkeit im automatisierten Prozess

Alformet verfolgt diese Entwicklungen aktiv – als Teil der AFPT-Gruppe hat das Unternehmen direkten Zugang zu aktuellen Prozess- und Materialentwicklungen und kann neue Tape-Materialien schnell in bestehende Fertigungsprozesse integrieren.

Fazit

UD-Tapes sind weit mehr als ein Rohstoff – sie sind der Schlüssel zur Werkstofffreiheit im Leichtbau. Die Kombination aus endlosfaserverstärkter Struktur, thermoplastischer Matrix und hochgradig automatisierbarer Verarbeitung macht sie zum idealen Halbzeug für anspruchsvolle Verbundrohre und -profile.

Das LATW-Verfahren von Alformet nutzt genau diese Flexibilität: Durch die in-situ-Konsolidierung per Laser lassen sich unterschiedlichste UD-Tape-Materialien präzise, reproduzierbar und ohne Autoklav zu hochwertigen Strukturbauteilen verarbeiten.

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Der Einsatz von thermoplastischen Verbundwerkstoffen in E-Motoren
Diese Seite bietet einen kurzen Überblick über die Anwendung von thermoplastischen Verbundwerkstoffen in Rotor- und Statorhülsen. Für weitere Informationen über die Arten von Elektromotoren, Erwägungen zum Design und die Skalierung für die Massenproduktion können Sie das vollständige Dokument herunterladen.